Leihe als Initialzündung

Sota Kitahara wurde seit 2016 in der Akademie des Major-League-Soccer-Teams Seattle Sounders ausgebildet und als Fußballer geformt. Als Einheimischer aus Seattle träumte der Defensivspieler davon, über das Farm-Team Tacoma Defiance in die Kampfmannschaft der Sounders aufzusteigen.  Als sich für Kitahara im vergangenen Sommer die Möglichkeit bot, nach Europa zu wechseln, zögerte der 18-Jährige nicht lange und schloss sich für eine Leihe dem FC Pinzgau Saalfelden an. Über den „Umweg“ Österreich wollte der akribisch arbeitende Kitahara seinem Traum von der MLS und der Rückkehr in das U20-Nationalteam der USA einen Schritt näherkommen. Zum Abschluss seiner Zeit im Pinzgau haben wir uns mit Sota Kitahara noch einmal ausführlich unterhalten.

Sota, wie schwer war es für dich, dein gewohntes Umfeld zu verlassen und in den Pinzgau zu wechseln?
Sota Kitahara: Alle waren von Beginn an sehr herzlich. Der Abschied aus der Heimat ist mir leichter gefallen, als ich mir das vorgestellt habe. Nur die Anpassung an die neue Umgebung und das neue Team hat etwa zwei Wochen gedauert, bis ich so richtig angekommen und in Fahrt gekommen bin. Ich habe mich dann sehr rasch sehr wohl gefühlt und ein Heimatgefühl entwickelt.

Du hast dich bewusst für den Schritt in die dritte österreichische Liga entschieden. Wie stufst du das Niveau ein? Es ist nicht immer einfach zu spielen, oder?
Kitahara: Ich habe mir am Anfang ein paar Spiele angeschaut und mir gedacht: „Schon gut, es ist nicht das beste Niveau“. Aber nachdem man dann selbst Teil davon ist, merkt man, dass es oftmals schwieriger ist, als gedacht. Ich musste in den letzten Monaten sehr hart arbeiten, habe speziell im taktischen Bereich und was den Spielstil angeht viel dazu gelernt – in den USA sind da viele Parameter einfach anders. Hier in Österreich wird schneller vertikal gespielt und mit vielen langen Bällen agiert, während man in meiner Heimat viel auf Ballbesitz setzt und das Spielgerät in den eigenen Reihen zirkulieren lässt.

Inwiefern hat dir das geholfen?
Kitahara: Ich denke, es hat mir auf jeden Fall geholfen, mich als Spieler weiterzuentwickeln. Auf höchstem Niveau geht es nicht nur um das Kurzpassspiel und ruhigen Fußball. Ich habe gesehen, dass ich mich schnell anpassen kann und bin in meinem Spiel sicherlich facettenreicher geworden. Schau dir die deutsche Bundesliga an: Das Tempo ist hoch und es geht rasch hin und her. Um erfolgreich zu sein, muss man alle Arten von Fußball spielen und den Stil an den jeweiligen Gegner anpassen können.

Der FC Pinzgau Saalfelden ist ein einzigartiger Verein im österreichischen Fußball und hat die Kraft von vielen internationalen Fanowners hinter sich. Darüber hinaus zeigen die früheren Leihspieler Pablo Ruiz und Andrew Brody bei Real Salt Lake und Josh Heard in Kanada auf. Hat dich das in deiner Entscheidung beeinflusst?
Kitahara: Ich erinnere mich, dass bei den Heimspielen im Pinzgau amerikanische Fanbesitzer zu mir gekommen sind und mich freundlich begrüßt haben.  Und ich dachte „Oh! Jemand aus den USA ist hier!“. Ich wusste von Pablo und Andrew, die in der MLS großes leisten. Ich denke, es war ein wichtiger Faktor, zu wissen, dass es junge Amerikaner gibt, die nach Saalfelden gekommen sind und danach in einer sehr guten Liga Erfolg haben. Das hat mich sicherlich zu einem gewissen Teil beeinflusst.

Du hast in den letzten Monaten mit starken Leistungen auf dich aufmerksam gemacht und sicherlich in Österreich einige Fans gewonnen, die deine weitere Karriere beobachten werden. In diesem halben Jahr in der Regionalliga Salzburg gab es allerdings sehr viele Spiele in kurzer Zeit. Wie schnell hast du dich in dein neues Team eingefunden?
Kitahara: Es war eine wirklich enge Saison mit vielen spannenden Partien. Wir haben bis zum Schluss um einen Platz an der Spitze gekämpft. Ich durfte die meisten Spiele bestreiten, habe um jeden Punkt gekämpft und mich für den Teamerfolg aufgeopfert.

Der FC Pinzgau Saalfelden hat in der zweiten Hälfte der Meisterschaft eine tolle Siegesserie hingelegt. Wie war die Stimmung?
Kitahara: Am Anfang waren wir sehr optimistisch und richtig motiviert, das war dann nach den vielen Unentschieden nicht immer ganz einfach für uns – wir waren oftmals die bessere Mannschaft, konnten die Siege aber nicht einfahren. Ein paar Spieler waren dann etwas lauter in der Kabine, da war die Lage dann etwas angespannter. In der zweiten Saisonhälfte haben wir viele Spiele gewinnen können – das hat der Stimmung gutgetan und wir haben uns da wirklich gepusht.

Am Ende wurde man trotz einer tollen Serie von sechs Siegen in acht Spielen Dritter und verfehlte die Play-off-Plätze knapp. Blickst du mit Wehmut auf die bisherige Saison?
Kitahara: Das letzte Spiel gegen Austria Salzburg durch einen geschenkten Elfmeter in der Nachspielzeit zu verlieren war wirklich hart für uns. Vielleicht hätte ich noch ein paar mehr Vorlagen geben können, aber insgesamt denke ich, dass ich der Mannschaft in den meisten Spielen helfen konnte. Ich versuche, auf dem Feld als Mensch voranzugehen und Sicherheit zu geben, aber wenn ich mich für einen prägenden Moment entscheiden müsste, wäre es die Niederlage gegen Seekirchen. Ich habe als rechter Verteidiger gespielt und sie haben ein Tor über meine Seite geschossen. Auch für uns war es ein wichtiges Spiel, aber das ist Fußball, so ist das manchmal.

Du hast eine tolle Entwicklung genommen. Gibt es ein spezielles Highlight, dass dir in Österreich im Kopf geblieben ist?
Kitahara: Naja, eigentlich gab es in Bischofshofen ein Auswärtsspiel, das torlos zu Ende gegangen ist. Aber es sind viele seltsame Dinge passiert – es waren unglaubliche viele Torchancen auf beiden Seiten – daher ist das 0:0 echt verwunderlich. Aber es hat richtig Spaß gemacht! Ich muss jedoch das Spiel wählen, in dem ich „Man of the Match“ wurde.

Du hast es gerade selbst angesprochen. Du hast die Wahl zum „Man of the Match“ bei dem unglaublichen 7:0-Heimsieg gegen Anif gewonnen und hast in der Partie nicht weniger als drei Assists geleistet. Da vergisst man leicht, dass die Position des Rechtsverteidigers vor deinem Wechsel in den Pinzgau nicht deine Stammposition war.
Kitahara: Ja, mein größter Vorteil ist es definitiv, dass das Spielen auf der rechten Abwehrseite viel besser geworden ist und ich über einen längeren Zeitraum die Position bekleiden konnte. Ich habe früher nie wirklich oft auf der rechten Seite gespielt, also denke ich, dass das meiner Vielseitigkeit geholfen hat. Ich denke, dass ich sowohl auf der 6, der 8 und nun auch auf der 2 gut aufgehoben bin.

Mit Christian Ziege hast du einen Europameister von 1996 als Trainer. Wie war das für dich?
Kitahara: Es war eine Ehre, mit Christian Ziege zusammenzuarbeiten. Er hat mir mit meinem Spiel auf der rechten Seite sehr geholfen. Ich hatte nie wirklich viel Coaching für diese Position, daher war es sehr hilfreich, dass er mir genau gezeigt hat, worauf es ankommt. Ich habe versucht die Infos aufzusaugen und bestmöglich auf den Platz zu bekommen – das ist mir denke ich sehr gut gelungen und ich habe eine nicht so schlechte Zweikampfquote gehabt.

Du hast sehr viele individuelle Extraeinheiten absolviert. Ist das etwas, worauf du stolz bist?
Kitahara: An ungefähr 95% der freien Tage bin ich alleine aufs Feld gegangen, habe nur gedribbelt, geschossen und gepasst. Ich denke, dass harte Trainingsarbeit das Minimum ist, das ich tun muss, um einen Schritt weiterzukommen. Es geht nicht nur darum, wie viel mehr du trainierst, sondern um den gesamten Fokus, den du in das Ganze steckst. Meine eigenen Trainingseinheiten waren immer kurz und präzise. Ich wollte fokussierte Training mit hoher Qualität machen – das war mein Ansporn.

Man kann also sagen, dass sich die Zeit hier in Österreich für dich gelohnt hat?
Kitahara: Ja, auf alle Fälle. Meine Zuversicht ist definitiv gestiegen. Als ich im Juli ankam, war es in Ordnung. In den USA war es gut, aber es war nicht die beste Zeit für mich. Hier zu sein hat definitiv dazu beigetragen, mein Selbstvertrauen zu stärken. Und das möchte ich jetzt für die nächsten Herausforderungen mitnehmen.

Das ist schön zu hören! Was sind deine Ziele für 2022?
Kitahara: Mein Ziel für nächstes Jahr ist es, einige Spiele in der ersten Mannschaft der Seattle Sounders zu bestreiten. Ich denke, dass ich für diesen Schritt bereit bin – das ist ein großes Ziel für mich. Egal ob ich zunächst in der ersten oder in der zweiten Mannschaft zum Einsatz komme, ich möchte meine Leistungen bringen und mich empfehlen. Ich hoffe, dass ich auch wieder die Rückkehr in das U20-Nationalteam schaffe. Ich war jetzt schon knapp dran und stand im November auf Abruf. Ich habe mich sehr gefreut, dass meine Leistungen hier in Saalfelden auch von den Verantwortlichen beim US-amerikanischen Fußballverband gesehen wurde.

Wir wünschen dir alles Gute für deine weitere Karriere. Gibt es etwas, was du vermissen wirst?
Kitahara: Ich werde die ganze Mannschaft vermissen. Es hat richtig Spaß gemacht, mit meinen Kollegen zu spielen. Ich habe gute Erinnerungen an die Fahrgemeinschaften mit João Pedro und Felix Adjei. Jeden Tag fuhren wir gemeinsam zum Training und wieder zurück – es waren herrliche Momente dabei. Es hat großen Spaß gemacht, wir haben viel gelacht und über Gott und die Welt geplaudert! Ich werde aber weiterhin den Weg hier in Saalfelden verfolgen und auf jeden Fall mit den Spielern in Kontakt bleiben. Eines kann ich versprechen, ich werde wieder nach Österreich zurückkommen – mir gefällt es hier. Wir haben zwar einige schöne Berge in der Nähe von Seattle, aber ich glaube, die Pinzgauer Bergwelt werde ich definitiv vermissen, wenn ich wieder in Seattle bin. Die Zeit ist leider so schnell vergangen!